Allegorischer Garten

Die ersten Pflanzen

   

Der Allegorische Garten in Steinwedel ist der erste und bislang einzige seiner Form. Er bezieht sich auf die Pflanzen-Predigten des Luthertums in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Nord- und Mitteldeutschland.

 

Die Prediger der Reformation wollten zu ihrer Zeit die neue evangelische Lehre und die biblische Botschaft verständlich und einprägsam machen. Deshalb suchten sie nach Anschauungsmaterial aus ihrem Alltag. Heilkräuter und Pflanzen aus Wald und Feld, Flur und Garten wurden zum Predigtgegenstand. Die Allegorische Pflanzenpredigt entstand. Dabei wurden unterschiedliche Merkmale der Pflanzen wie etwa die Form der Blätter, die Farbe der Blüten oder ihre Heilkraft auf theologische Inhalte bezogen: So stehen die roten Blätter der Rose zum Beispiel für das Blut Christi und die lanzenförmigen Stängel des Spitzwegerich für den aufrechten Glauben der Christen.

 

Manche Pflanzen werden vielfältig ausgedeutet, wie das Vergissmeinnicht durch Pfarrer Job Schröter: „Das Vergissmeinnicht hat eine Blüte, blau mit einem gelben Fleck in der Mitte, genauso soll der wahre Christ das Gedächtnis Gottes nicht nur auf der Zunge tragen, sondern wie bei der Blüte mitten in seinem Herzen. Und so, wie dieser Fleck goldgelb ist, soll auch des Christen Herz wie aus Gold sein, lauter und rein, während seine fünf Sinne wie die fünf himmelfarbigen Blütenblätter nicht immer nach den irdischen Dingen trachten sollen, sondern auch nach dem, was himmlisch ist.“ (Wittenberg 1623).

 

Blick in den Garten

 

Die Germanistin Dr. Maria Marten hat durch ihre Studien diesen in Vergessenheit geratenen Schatz der evangelischen Tradition gehoben. Darauf aufbauend begann Anfang 2013 eine Projektgruppe aus Gartenbegeisterten und Mitarbeitern der Kirchengemeinde einen Garten zu planen, der die Predigtpflanzen auf dem Gelände der St. Petri Kirchengemeinde versammelt.

Nachdem die Niedersächsische Bingo Umwelt-Stiftung, die Region Hannover und die Kirchengemeinde ihre finanzielle Förderung zugesagt hatten, konnten im Herbst 2013 die ersten Arbeiten beginnen. Am 25. Mai 2014 soll die Eröffnung des Gartens im Beisein des Landesbischofs Ralf Meister gefeiert werden.

 

Die Arbeiten haben begonnen.

 

Der Steinwedeler Allegorische Garten umfasst rund 80 zumeist heimische und zugewanderte Pflanzenarten. Nach ihren Eigenschaften und Standortansprüchen sind sie ohne strenge Ordnung in thematischen Beeten vereint. In der ungewöhnlichen Kombination von Wild- und Kulturpflanzen, Stauden und Sommerblumen, Heilkräutern und Rosen bietet der Garten ein reizvolles wie einzigartiges Gartenbild. Zugleich erinnert der Garten an eine alte evangelische Predigttradition.

 

Der Garten wird ehrenamtlich gepflegt und entwickelt. Führungen sind auf Anfrage im Pfarramt möglich.

 

Weitere Informationen zum Hintergrund des Gartens und zu den Pflanzen erhalten Sie im Gartenheft.

 

[Gartenplan 1]

[Gartenplan 2]